www.Russlanddeutsche.ru

Über die Geschichte der Deutschen in Russland (I)

Teil I, II, III, IV, V, VI, VII

Die Deutschen waren von altersher die wichtigsten Ausländer in Russland: „Nemzy“ – die Deutschen – das war im Russischen ursprünglich der Sammelbegriff für alle Ausländer aus dem Westen. Für alle die, die merkwürdigerweise nicht Russisch konnten und darum meist stumm waren - „nemy“.

Schon seit Urzeiten gab es rege Kontakte zwischen den Menschen, die rund um die Ostsee lebten. Etwa um 1250 richteten Lübecker Kaufleute ein Hansekontor in Nowgorod am Ilmensee ein. In diesem extra umzäunten Stadtviertel und Umschlagplatz (dem Peterhof) in der damals mächtigsten russischen Handelsstadt leben zur gleichen Zeit jeweils an die 200 deutsche Kaufleute und ihre Angestellten.

In der Moskauer Geschichtsschreibung tauchen deutsche Familiennamen bereits im 12. Jahrhundert auf.

Mitte 17. Jahrhundert lebten bereits 400 deutsche Familien in der Ausländer-Vorstadt Moskaus. Mit der beginnenden Modernisierung Russlands unter Zar Peter dem Großen kommen Ende 17. Jahrhundert immer mehr deutsche Handwerker, Gelehrte und Ingenieure ins Land.

Im 18. Jahrhundert waren große Teile Russlands - Gebiete an der Wolga, im Nordkaukaus und Südrussland – immer noch unbesiedelt. Sie sollten jedoch erschlossen und langfristig ertragsfähig gemacht werden.

Da aber die landwirtschaftliche Bevölkerung überwiegend aus Leibeigenen bestand, die ihren Dienst beim Gutsherrn zu verrichten hatten, mussten für die Nutzbarmachung entlegener Regionen Gastarbeiter angeheuert werden – im Ausland.

Die Zarin rief, und keiner keiner kam

Gleich nach ihrem Amtsantritt 1762 erlässt Zarin Katharina II.- die sich als 15-jährige Prinzessin Sophie Friederike von Anhalt-Zerbst den Zarenthron erheiratet hatte – ein Manifest in fünf Sprachen, in dem sie alle Ausländer, vorzugsweise aber ihre deutschen Landsleute, nach Russland einlädt.

Allerlei Vorteile wie regionale Selbstverwaltung, Reisegeld und günstige Kredite für Hausbau und Viehzucht werden ihnen zugesichert.

In Europa ist die Reaktion auf die Einladung der Zarin eher zurückhaltend. Auswanderungslustige zieht es überwiegnd in die USA.

Erst mit dem 2. Manifest der Zarin im Jahre 1763, das den Übersiedlern zusätzlich Religionsfreiheit und auf 30 Jahre befristete Steuerfreiheit, freie Wahl der Siedlungsgebiete und Befreiung vom Kriegsdienst garantiert, zeigt sich Bewegung.



Fortsetzung: Wirtschaftlicher Notstand bewegt zum Auswandern